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Editorial
 12/2006
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Aufwendige Pflicht
Wir wissen längst, was nicht funktioniert. Leider zeigt die oft enttäuschende Peacekeeping-Praxis aber, dass es nötig bleibt, an wichtige Einsichten immer wieder zu erinnern.
Wenn das Gewaltmonopol ausländischer Truppen lediglich in der Hauptstadt Sicherheit schafft, wachsen in der Provinz nicht nur Ressentiments auch vermeintlich längst geschlagene Milizen oder neue Kampfeinheiten können erstarken.
Wenn sich Besatzungstruppen in Stützpunkten verschanzen und, um bloß keinen eigenen Soldaten zu gefährden, sogar harmlose Passanten töten, gewinnen sie nicht die Herzen der Bevölkerung.
Wenn Strom, Wasser und andere moderne Annehmlichkeiten nach der Intervention so rar bleiben wie vorher, werden leidgeprüfte Menschen immer weiter enttäuscht.
Wenn ganze Bevölkerungsgruppen keine wirtschaftlichen Perspektiven für sich sehen, schwelen Hass und Frustration weiter.
Wenn Fachleute aus der Fremde ohne Gespür für lokale Verhältnisse wichtige Entscheidungen an sich ziehen, wächst kein neuer Gesellschaftsvertrag von unten.
Wenn das aber nicht geschieht und Sicherheit nur militärisch durchgesetzt wird, brechen alte Konflikte leicht wieder auf, sobald die internationalen Kontingente abziehen.
Entwicklungsexperten ärgern sich zu Recht, dass die langwierigen zivilen Herausforderungen von Friedensmissionen oft unterschätzt werden. Um Demokratie Glaubwürdigkeit zu verschaffen, reichen schnelle Wahlen nicht aus. Wo ein Rechtsstaat Gewalt eindämmen soll, ist es mit bewaffneter Schurkenjagd und einigen spektakulären Urteilen nicht getan. Vertrauen wächst nur langsam, stirbt aber schnell. Versöhnung und der Aufbau friedensfähiger Institutionen erfordern also ob in Osttimor oder Kosovo langen Atem.
Derweil ärgern sich aber auch Sicherheitsexperten zu Recht. Weithin wird unterschätzt, wie schwer es ist, ein neues Gewaltmonopol in Krisengebieten durchzusetzen. In Afghanistan oder der Demokratischen Republik Kongo wurde das gar nicht flächendeckend versucht. Danach glänzende Ergebnisse zu erwarten ist aber naiv. Überforderte Soldaten dürften sich ohnehin kaum vorbildlich friendensstiftend verhalten. Sie wurden zu Kämpfern ausgebildet nicht zu Polizisten oder gar interkulturell sensiblen Entwicklungshelfern.
Daraus, dass weder ziviler Aufbau noch zuverlässiges Gewaltmonopol vernachlässigt werden dürfen, folgt: Friedensmissionen, die zuverlässig gelingen sollen, sind sehr aufwendig. Sie erfordern viel Zeit, Geld und Personal. Wird damit gegeizt, steht mehr auf dem Spiel als der Missionserfolg nämlich immer auch die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft, vor allem die der Geberländer. Wegen ihres großen Einflusses, ihres immensen Reichtums und ihrer historischen Verantwortung spielen sie im Weltgeschehen besondere Rollen.
Die Regierungen der reichen Welt müssen sich der Aufgabe stellen, internationale Verhältnisse zu schaffen, die Frieden und Entwicklung ermöglichen. Globalisierung muss gerecht gestaltet werden, sonst wird Prosperität auch in den Wohlstandsregionen selbst nicht wachsen und gesichert werden können. Die Industrienationen hängen bekanntlich von Welthandel und Zugang zu expandierenden Märkten besonders ab. Dass Instabilität anderswo Bürger Westeuropas oder Nordamerikas direkt angeht, belegen zudem Schlagworte wie Terror und Flucht. Das müsste Wählern eigentlich zu vermitteln sein.
Dr. Hans Dembowski
Chefredakteur E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit/
D+C Development and Cooperation
euz.editor@fsd.de
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