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Leben im Dorf: Welche Zukunft für den ländlichen Raum?


12/2003
 

[ Gute und unkonventionelle Fragen ]

Leben im Dorf:
Welche Zukunft für den ländlichen Raum?

Das Buch dokumentiert eine dreitägige Konferenz auf der EXPO 2000 in Hannover. Dieser Global Dialogue, organisiert vom Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung in Zusammenarbeit mit der InWEnt-Vorläuferorganisation DSE sowie anderen deutschen und interna- tionalen Partnern, diente dem Austausch von Ideen und Meinungen zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Vertretern der Wirtschaft und von Nichtregierungsorganisationen sowie Praktikern der Entwicklungszusammenarbeit. Die Botschaft ist klar: Das Leben im ländlichen Raum hat nur dann Zukunft, wenn es gelingt, durch angemessene politische und institutionelle Rahmenbedingungen die Innovationsfähigkeit der ländlichen Bevölkerung fruchtbar zu machen. Unerlässlich seien Demokratisierung und Partizipation, etwa durch politische Dezentralisierung, durch die die Effektivität von Regierungen gefördert und die Mitsprachemöglichkeiten der ländlichen Bevölkerung verbessert werden könnten.

Einer der Schwerpunkte des Buches beschäftigt sich mit den Auswirkungen menschlichen Handelns auf die natürlichen Ressourcen und den Möglichkeiten einer nachhaltigen Nutzung. Den Beiträgen dieses Kapitel ist die These gemeinsam, dass die Bedeutung der natürlichen Ressourcen im ländlichen Raum generell unterbewertet wird, was in vielen Regionen zu ihrer Übernutzung führe. Anreize und Institutionen müssten geschaffen werden, um der Verknappung entgegenzuwirken. Allein durch geänderte institutionelle Rahmenbedingungen sei das jedoch nicht zu schaffen. Vielmehr müsse zusätzlich die Bevölkerung dabei unterstützt werden, vorhandene und neue Nutzungsformen und Technologien so miteinander zu kombinieren, dass ein nachhaltiger und effizienter Verbrauch natürlicher Ressourcen gewährleistet ist.

Die Förderung von Innovationen, die Nachhaltigkeit und zugleich hohe Produktivität der Landwirtschaft stimulieren, sei deshalb eine wichtige Zukunftsaufgabe. Dabei sei Fundamentalopposition gegenüber modernen Technologien ebenso schädlich wie die Missachtung von traditionellem und indigenem Wissen, so der Tenor der Beiträge im dritten Kapitel. Die Diskussion über den Einsatz neuer Technologien, besonders von Informations- und Biotechnologien, solle sich verstärkt konzentrieren auf Möglichkeiten der Kombination von modernen mit traditionellen Technologien sowie Fragen der Sicherheit und Akzeptanz neuer Technologien.

Im letzten Kapitel geht es um zukunftsfähige Stadt-Land-Beziehungen. Urbane und rurale Entwicklung dürften nicht isoliert voneinander betrachtet werden, weil sonst die Gefahr bestehe, dass ländliche Regionen ökonomisch, politisch und kulturell marginalisiert würden. Daher messen alle Autoren des Bandes der Regionalplanung eine große Bedeutung zu.

Fazit: Dem Dorf muss wieder mehr entwicklungspolitische Bedeutung zukommen – das ist die zentrale Forderung der Autoren. Insgesamt bietet das Buch sehr anregende Lektüre, schaffen die Beiträge es doch, die Vielfalt ländlicher Entwicklungserfahrungen abzubilden und sie zugleich durch gute und unkonventionelle Fragen neu zu ordnen und Lösungsvorschlägen eine neue Richtung zu geben. Dennoch hat das Buch auch Mängel: So wird den Biotechnologien im Landwirtschaftskapitel zu große Bedeutung beigemessen, zugleich bleibt die Kritik an ihnen unterbelichtet. Zudem fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der mitunter widersprüchlichen internationalen Entwicklungspolitik sowie dem ungerechten Agrarhandel. Carmen Hess, Klaus Klennert






Detlef Virchow,
Joachim von Braun (Hg.):
Villages in the Future. Crops, Jobs and Livelihood. Berlin, Springer 2001, 410 S.
(mit zusätzlicher CD-Rom), 106,95 Euro,
ISBN 3-540-42467-9