| |
Beiträge aus der Rubrik Fakten + Tendenzen
BMZ für Stimmrechtsreform in der Weltbank
Die Jugend von heute
Nach Cancún: Zukunft der G21 ungewiss
SPD-Forum: Eine Welt beginnt vor Ort
Medienpreise Entwicklungspolitik 2003
Verhandlungen zwischen EU und AKP-Staaten
EU-Kommission: Entwicklungsfonds soll in den EU-Haushalt
Landesnetzwerk in Hessen
Interview mit Sabine Müller, GTZ
 11/2003
|
|
[ Interview mit Sabine Müller, GTZ ]
Neuer Rahmen für GTZ-Projekte: Wirkung und Ziele sind entscheidend
Seit März dieses Jahres gelten für Aufträge, die die GTZ für das BMZ durchführt, neue Rahmenbedingungen. Der Auftragsrahmen AURA löst die Projektplanungsübersicht ab, in dem sich die GTZ bislang gegenüber dem BMZ auf detaillierte Schritte zur Erreichung eines Projektziels verpflichten musste. AURA soll dazu beitragen, dass das BMZ sich um solche Details nicht mehr kümmern muss und sich stärker auf die entwicklungspolitische Steuerung konzentrieren kann. Was bedeutet AURA für die Arbeit der GTZ? Fragen an Dr. Sabine Müller, Leiterin des GTZ-Teams Interne Evaluierung.
Frau Müller, was ist das Neue an AURA?
Neu sind die Fokussierung auf das Ziel und die Wirkung eines Vorhabens und eine sehr viel größere Flexibilität bei der Durchführung. Viele Details der Durchführung, die bislang mit dem BMZ abgestimmt werden mussten, bleiben künftig in der Verantwortung der GTZ. Dafür sind wir jetzt stärker auf die vereinbarten Ziele und Wirkungen verpflichtet. In der Vergangenheit wurde die Leistung der GTZ an der Abarbeitung des Mengengerüsts und der Projektplanungsübersicht PPÜ gemessen und weniger an der Erreichung des Projektziels selbst, weil man davon ausging, dass für das Gelingen letztlich der Partner verantwortlich ist. Das ist jetzt anders, und für die GTZ heißt das vor allem, dass sie rechtzeitig etwas unternehmen und das BMZ informieren muss, wenn sie das Gefühl hat, dass das Projektziel nicht erreicht wird.
Bedeutet die Einführung von AURA den Abschied von der Vorstellung, dass Entwicklung planbar ist?
Natürlich werden Projekte weiterhin geplant, aber zum einen wird ein größerer Teil davon in die Durchführung verlagert. Früher enthielt jedes Angebot für das BMZ eine Detailplanung, was häufig relativ unsinnig war, weil sich bis zum Projektbeginn sehr viel wieder verändern konnte und man dann wieder von vorn anfangen musste. Zum anderen hat sich die Bedeutung von Planung verändert: Planung ist ein Hilfsmittel, aber wir gehen heute nicht mehr davon aus, dass das Ziel erreicht wird, wenn nur die Planung abgearbeitet wird.
Hat die Zielorientierte Projektplanung ZOPP damit ausgedient?
ZOPP hat einen anderen Stellenwert bekommen. ZOPP ist immer noch da als Planungsinstrument, aber nicht mehr als Philosophie. Die Philosophie besteht jetzt in der Orientierung auf Wirkung und Ziele.
Sie müssen künftig viel stärker kontrollieren, ob ein Projekt auf Zielkurs ist. Wie erreichen Sie das?
Zum einen wird sich die Berichterstattung gegenüber dem BMZ verändern. Wir werden dem Ministerium nicht mehr lang und breit erzählen, was wir alles gemacht haben, sondern uns stärker auf die Fragen konzentrieren, ob sich ein Projekt auf das Ziel zubewegt, welche Wirkungen es hat, welche Risiken es gibt, ob und wie die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Zum anderen müssen wir unsere Evaluierungspraxis den neuen Anforderungen anpassen. Unsere Monitoringsysteme sind noch sehr Input-orientiert; wir überarbeiten deshalb zurzeit unseren Leitfaden für Projektfortschrittskontrollen, der stärker auf die Wirkungsbeobachtung fokussiert sein muss. Außerdem testen wir ein neues Evaluierungsverfahren, e-Val, mit dem die Sichtweisen unterschiedlicher Projektbeteiligter auf ein Vorhaben, seine Wirkungen und die Zielerreichung ermittelt und zusammengeführt werden sollen.
Wird durch die größere Flexibilität die Projektarbeit vor Ort leichter?
Das glaube ich nicht. Die Arbeit wird anspruchsvoller werden. Es ist sehr viel einfacher, sich im sicheren Rahmen einer PPÜ zu bewegen, als immer wieder hinterfragen zu müssen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Die größere Flexibilität bedeutet ja zugleich größere Unsicherheit und Verantwortung für die Projektmitarbeiter.
Der Mitarbeiter im Feld muss also viel stärker Generalist sein ...
Ja, und jemand, der viel fragt. Wir hatten in der Vergangenheit ja eine gewisse Expertenkultur: Der Experte kommt und weiß. Eigentlich brauchen wir jemanden, der kommt, hinschaut und fragt, weil sich eben nicht alles im Voraus planen und festlegen lässt.
Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.
|