| |
Beiträge aus der Rubrik Neues von InWent
ASA-Projekt fördert EZ-Nachwuchskräfte
Neue Medien realistisch einschätzen
DSE formiert sich neu
Das Interesse der meisten Regierungen ist enorm
 10/2004
|
|
[ Internet ]
Das Interesse der meisten Regierungen ist enorm
Welchen Stellenwert hat die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Entwicklungszusammenarbeit? Wie sehr wird die Herausbildung prosperierender IKT-Infrastrukturen durch Regierungen gehemmt, die das Internet kontrollieren wollen? Welche Erfahrungen InWEnt mit dem Einsatz moderner Kommunikationstechnologien gemacht hat, darüber sprach E+Z-Redakteur Norbert Glaser mit Gerd Hönscheid-Gross, Projektleiter in der Abteilung E-Learning, Global Campus, Lifelong Learning von InWEnt.
Lässt sich aus Ihrer Erfahrung eine direkte Verbindung zwischen dem Charakter des politischen Systems und dem Einsatz von IKT ziehen?
Man kann die politische Dimension sicher nicht außen vor lassen, denn sie ist Teil der Realität. Aber eben nicht ausschließlich unter negativen Vorzeichen. Diese sind in vielen Ländern weitaus geringer, als wir möglicherweise annehmen. Am Beispiel von Vietnam lässt sich das ganz gut festmachen. Der Versuch, den Einsatz des Internets zu kontrollieren, ist von politischer Seite längst nicht so ausgeprägt, wie man vermuten könnte. InWEnt beteiligt sich seit eineinhalb Jahren am Aufbau des Vietnam Development Gateway. Wir sind ein Partner der Vietnam Post and Telecommunication, die hier auch mit der Gateway Foundation der Weltbank und anderen Ministerien und Organisationen zusammenarbeitet. Vietnam bemüht sich deutlich, das Internet als Informations-, Lern- und Kommunikationssystem im Entwicklungsprozess des Landes einzuführen.
Ist eine im Entwicklungsländervergleich überproportional ausgebaute Infrastruktur per se positiv für den Entwicklungsprozess?
Natürlich ist eine gute IKT-Infrastruktur prinzipiell positiv für den Entwicklungsprozess und den Informationsaustausch. Aber man kann umgekehrt nicht daraus schließen, dass dort, wo die ökonomische Situation schlechter ist, sich gar nichts tut. Es kommt im konkreten Fall stets auf den Zugang an. Die geringen Zugangsraten in vielen Ländern des Südens geben nur einen Teil der Realität wieder. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Fach- und Führungskräfte aus der Privatwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft) haben in der Regel zu 80 bis 90 Prozent Zugang zum Internet. Sehr beeindruckend ist hier die Resonanz auf unsere Online-Kurse. Die Mehrzahl der Teilnehmer kommt oft aus afrikanischen Ländern: Mosambik, Tansania, Eritrea, Malawi, Ghana, Äthiopien, Kenia, Sambia, Ägypten Staaten, die überwiegend zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder gehören. Man mag sich darüber wundern. Befragungen in unseren Seminaren zeigen, dass für diese Zielgruppe meist ein relativ einfacher Zugang zum Internet am Arbeitsplatz möglich ist. Nur wenige geben an, hier Schwierigkeiten zu haben. Die Rate liegt bei fünf bis zehn Prozent.
Wie geht Vietnam mit einem Angebot wie dem Global Campus um?
Im Fall Vietnam haben wir den Global Campus21 als lokale Lernplattform bereits installiert. Die Zusammenarbeit mit den Behörden zum Aufbau des Vietnam Development Gateway ist gut vorangekommen. Wir spüren nichts von Restriktionen durch die staatliche Seite. Auch die beteiligten Organisationen und die Themen machen nicht den Eindruck, als wären sie unter Aspekten der politischen Gesinnung handverlesen. Wenn ich mir so anschaue, was an Zielen und Dienstleistungen vorgesehen ist (Bekämpfung des Hungers, Unterstützung der ländlichen Bevölkerung, die Möglichkeit für die Privatwirtschaft Anzeigen zu schalten etc.), dann macht das den Eindruck, als wollte man mit dem Gateway tatsächlich offen umgehen.
Ist es nicht problematisch, in Anbetracht des teils schwierigen Zugangs zum Internet auf diese Form der Kommunikation zu setzen?
Richtig ist, dass die Mehrzahl der Menschen in vielen Entwicklungsländern von dieser Form der Kommunikation ausgeschlossen ist. Andererseits haben wir, wie bereits aufgezeigt, sehr viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus LDC-Staaten in unseren E-Learning-Kursen, die bereit und in der Lage sind, einen Teilnehmerbeitrag zu zahlen. Einige Entwicklungsländer wie Südafrika sind uns auf dem Gebiet des E- oder Telelearnings in manchen Teilbereichen sogar voraus. Das ist höchst beeindruckend. Virtuelle Kommunikation kann die Begegnung und die persönliche Auseinandersetzung nicht ersetzen. Sie stellt aber eine hervorragende und effiziente Ergänzung dar. An eine Revolution glaubt heute niemand mehr. Aber das Interesse der Entwicklungsländer, bei den IKT mitzuhalten, ist nach wie vor riesengroß.
|