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Beiträge aus der Rubrik InWEnt-Forum
Öffentlicher Dienst: Dem Gemeinwohl verpflichtet
Privatsektor in Afrika: "Wir brauchen mehr Business"
 8-9/2006
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[ Privatsektor ]
Wir brauchen mehr Business
Viele international tätige Unternehmen meiden Afrika, obwohl sich dort wirtschaftliche Erfolgsgeschichten mehren. Gewinne fahren derzeit vor allem heimische Unternehmensgründer im Telekommunikationssektor und im Offshoring ein. Die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) werden in Afrika mit Hilfe der Privatindustrie erreicht oder überhaupt nicht.
[ Von Azani Tschabo und Jochen Weikert ]
Wer die internationalen Wirtschaftszeitschriften durchblättert, findet in der Regel keinen Regionalteil für Afrika. Schlagzeilen wie: Average economic growth of over 5 % and a 60 % increase in flows of foreign direct investment. This is Africa today (Business Day, South Africa, 21.06.06), oder: Some of the best returns on investment in the banking sector anywhere are to be found in Africa (African Business, Mai 2004) klingen noch seltsam in unseren Ohren. Doch warum?
Die Entwicklungsforschung zeigt, dass breitenwirksames Wirtschaftswachstum nicht durch vereinzelte, wohlwollende Aktivitäten von Unternehmen erzielt werden kann. Soziale Unternehmensverantwortung ist eine gute und reizvolle Sache, aber sie wird nicht ausreichen, um die MDGs zu erreichen sagte Bruce Jenks, Vize-Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, beim von InWEnt verantstalteten 10. Internationalen Wirtschaftsforum voriges Jahr in New York. Vielmehr müssten Unternehmen ihr Geschäftsinteresse auf die Märkte der Armen ausrichten. Wenn Privatunternehmen ein Geschäft mit den Armen machten und dadurch die allgemeine Güter- und Dienstleistungsversorgung verbesserten und verbilligten, trügen sie am ehesten zu Entwicklung bei.
Dass viele multinationale Unternehmen aber Afrika fernbleiben, liegt an den seltenen positiven Meldungen über die Lebenswirklichkeit in den Ländern südlich der Sahara und daran, dass diese Realität in den Medien praktisch nicht thematisiert wird. Die meisten Investoren und Geschäftsleute in Industrieländern haben daher ein sehr negatives Bild vom Kontinent, was für Afrika zu ungünstigen Investitionsentscheidungen führt.
Sicherlich laden die Rahmenbedingungen in vielen afrikanischen Ländern nicht zu Investitionen ein. In den vergangenen Jahren mehren sich jedoch die Erfolgsgeschichten: Im Jahr 2002 brachten beispielsweise die meisten der 2200 Aktiengesellschaften an den afrikanischen Börsen ihren Anteilseignern hohe Gewinne ein. In der internationalen Wirtschaftspresse wurde über diese Gewinne allerdings kaum berichtet.
Ein anderes Beispiel ist das Telekommunikationsunternehmen Celtel International. Celtel wurde 1998 gegründet und ist mittlerweile in 15 afrikanischen Ländern vertreten von denen 13 zu den ärmsten des Kontinents gehören. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2004 Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Dollar und wurde im Mai 2005 für 3,4 Milliarden Dollar an die kuwaitische Firma MTC verkauft. Afrika ist momentan der weltweit am schnellsten wachsende Markt für mobile Telekommunikation.
Auch Unternehmen, die Geschäftsprozesse outsourcen (Offshoring), melden Erfolge. Der senegalesische Dienstleister Premium Contact Center International (PCCI) begann seine Aktivitäten im Jahr 2002 mit 40 Angestellten. Er beschäftigt inzwischen 1300 Mitarbeiter, deren Gehalt fünfmal höher ist als der Landesdurchschnitt. Die Firma profitiert vom globalen Wettbewerb, der französische Telekommunikationsunternehmen dazu zwingt, ihre Kosten durch Auslagerungen zu senken. Senegal ist wie geschaffen für diesen neuen Markt, weil die Kombination aus französischsprachiger Bildung und niedrigen Lohnkosten dem Land Wettbewerbsvorteile bringt.
Wirtschaftlicher Erfolg in Afrika setzt voraus, dass die Menschen vor Ort als kreative Unternehmer und wertbewusste Verbraucher wahrgenommen werden. Celtels Gewinne zeigen deutlich, dass in armen Ländern für einige Produkte eine hohe Nachfrage besteht insbesondere wenn sie für den Alltag oder unternehmerische Tätigkeiten benötigt werden. Mit althergebrachten westlichen Managementmodellen stellt sich dieser Erfolg allerdings kaum ein. Um dünn besiedelte ländliche sowie extrem dicht bewohnte städtische Märkte zu bedienen, sind neue Vertriebswege nötig. Produkte und Produktionsprozesse müssen auch unter schlechten Infrastrukturbedingungen funktionieren was Innovationen anregen kann. Da das senegalesische Telefonnetz zu schwach ist, arbeitet PCCI beispielsweise mit dem internetgestützten Telefonsystem VOIP und hat damit erhebliche Kostenvorteile gegenüber europäischen Konkurrenten.
International tätige Firmen müssen aber auch fremde kulturelle und landesspezifische Gegebenheiten berücksichtigen. Viele Offshoring-Firmen beschäftigen deshalb neben qualifizierten lokalen Mitarbeitern auch solche mit Auslandserfahrung. Diese kennen die Marktgegebenheiten von Industrie- und Entwicklungsländern, verfügen über die nötigen Kontakte und fungieren als Bindeglieder zwischen beiden Welten.
Entwicklung braucht Investoren
Die MDGs werden in Afrika mit Hilfe der Privatwirtschaft erreicht oder aber überhaupt nicht. Mit dieser MDG-Agenda haben sich die Vereinten Nationen ehrenwerte, aber auch schwer zu erlangende Ziele gesetzt. Mit vereinzelten Interventionen der Gebergemeinschaft kommen sie diesem Ziel kaum näher. Nötig sind Multiplikatoreffekte, wie sie nur Märkte hervorbringen. Investitionen können zu höheren Einkommen, stärkerem Konsum und wieder neuen Investitionen führen. Wenn preisgünstige Konsumgüter massenhaft abgesetzt werden, kann der Anteil des verfügbaren Einkommens, den Haushalte für Bildung oder Gesundheit ausgeben, steigen. InWEnt treibt deshalb den Fachdialog im Oktober beim 11. Internationalen Wirtschaftsforum in Bonn mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft weiter voran, um systemischen Wandel zu ermöglichen. InWEnt ist für den Dialog mit dem Privatsektor besonders kompetent, weil die Gesellschaft zu rund acht Prozent den deutschen Wirtschaftsverbänden gehört.
Privatwirtschaftliches Engagement kann Breitenwirkung haben, wie Entwicklungspolitiker sie sich meist nur wünschen. Celtel-Gründer Mohamed Ibrahim berichtete 2005 von einem Netz von 120 000 Verkaufsstellen für Pre-paid-Handykarten mit monatlich insgesamt 5,2 Millionen Kunden. Sie wollen entweder selbst telefonieren oder ihr Handy vermieten. Hilfe ist wunderbar, Wohltätigkeit großartig aber sie wirken nur wie Aspirin, sagte Mohamed Ibrahim bei der InWEnt-Konferenz in New York. Aspirin wird Afrika nicht entwickeln, sondern bestenfalls die Schmerzen lindern. Was wir brauchen, ist mehr Business in Afrika.
Über Segen und Fluch des globalisierten Kapitalismus wird lebhaft debattiert. Diese Auseinandersetzung ist auch nötig, um die Schattenseiten der Globalisierung zu beleuchten und Privatunternehmen zu ihrer sozialen Verantwortung zu ziehen. Betrachtet man aber den Zusammenhang von Privatwirtschaft und Wohlstandsentwicklung, sprechen die Zahlen für sich. In China fiel der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung seit Öffnung der Märkte vor 20 Jahren von 56 auf 17 Prozent.
Afrika braucht diese Art wirtschaftlicher Dynamik und zwar möglichst bald. Auch der von privaten und ausländischen Akteuren getragene Sprung der asiatischen Tigerstaaten brauchte einige Zeit der Vorbereitung. In dieser Zeit erkannten risikobereite, asiatische Migranten ihre Chance, mit Investitionen in der alten Heimat Gewinne zu erzielen. Sie ergriffen sie. Sowohl in den südostasiatischen Tigerstaaten als auch in China und Indien sorgten das Risikokapital und die interkulturelle Vernetzung dieser Unternehmer für die nötige Sprungkraft. Als das Potential erst einmal aufgebaut war, wurde Asien auch für andere Investoren interessant. Diesem Modell könnte auch Afrika folgen.
Azani Tschabo
gehört zum Managing Team des
11. Internationalen Wirtschaftsforums 2006
von InWEnt vom 8. bis 10. Oktober
in Bonn.
Jochen Weikert
arbeitet in der InWEnt-Abteilung
Nachhaltige Technologie, Industrie-
und Stadtentwicklung.
jochen.weikert@inwent.org
Link:
Unter dem Titel Business and the Millennium Development Goals: The Business Challenge Africa veranstaltet InWEnt zusammen mit dem World Bank Institute vom 8. bis 10. Oktober 2006 in Bonn das 11. Internationale Business Forum http://www.businessandmdgs.org
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