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Beiträge aus der Rubrik Bücher und Medien
Entwicklung und Frieden
Deutsch-afrikanische Beziehungen:
Entwicklungspolitik zu dominant?
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Publikationen zu Handel und Globalisierung
Website zu deutschen Rüstungsexporten
 8-9/2003
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[ Plädoyer für eine neue deutsche Afrika-Politik ]
Deutsch-afrikanische Beziehungen:
Entwicklungspolitik zu dominant?
Das von Ulf Engel und Robert Kappel herausgegebene Buch setzt sich in elf Aufsätzen mit der Struktur und den Zielen deutscher Afrika-Politik auseinander. Die Beiträge sind in englischer Sprache verfasst mit dem Ziel, auch nicht-deutsche Leser zu erreichen, da nach Ansicht der Herausgeber die deutsche Afrika-Politik im Ausland zu wenig Beachtung findet. Das stimmt, allerdings wäre es zu diesem Zweck noch besser gewesen, auch nicht-deutsche Wissenschaftler zu Wort kommen zu lassen und für das Buch einen Verlag aus dem englischsprachigen Raum zu suchen.
Der Band will nicht nur die bisherigen deutsch-afrikanischen Beziehungen rekapitulieren, sondern auch Empfehlungen geben für eine Neuorientierung der deutschen Afrika-Politik. Das verwundert nicht, waren doch die beiden Herausgeber und zwei weitere Autoren am Memorandum zur Neubegründung der deutschen Afrika-Politik aus dem Jahr 2000 beteiligt. Wie im Memorandum kritisieren einige Autoren, zum Beispiel Ulf Engel und Jürgen H. Wolff, die im Vergleich zu anderen Politikfeldern stark übergewichtige Rolle der Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der deutschen Afrika-Politik. Für die fehlenden entwicklungspolitischen Erfolge machen sie unzutreffende, in der Regel zu optimistische Beurteilungen der gegenwärtigen Lage Afrikas verantwortlich ein Missstand, den zu beheben das Buch helfen will.
Über Erfolg und Misserfolg der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika wird seit langem gestritten. Eine andere prägnante These des Sammelbandes wurde bislang weniger diskutiert. So vertreten einige der Autoren (Ulf Engel, Rolf Hofmeier, Robert Kappel und Stefan Mair) die Meinung, Deutschland sei in Afrika jenseits der Entwicklungspolitik deshalb so schwach vertreten, weil es dort keine wirklichen nationalen ökonomischen Interessen habe. Diese These versuchen sie mit Daten zu den ökonomischen Beziehungen (Außenhandelsanteil, Investitionen) zu untermauern, übersehen dabei allerdings zum einen, dass die Quantität des wirtschaftlichen Austauschs zwischen Deutschland und Afrika noch nichts über dessen Qualität aussagt: Auch Deutschland ist auf Kaffee, Gold, Baumwolle und Coltan aus Afrika angewiesen. Zum anderen wird übersehen, dass Deutschland erst seit der Wiedervereinigung eine über Europa hinausreichende Außenpolitik zu denken beginnt das ist der wesentliche Grund für die bisherige deutsche Zurückhaltung in Afrika.
Trotz dieser Einwände lohnt die Lektüre, da die Beiträge Grundzüge einer neuen deutschen Afrika-Politik beschreiben. Allerdings fehlen praxisorientierte Vorschläge für eine solche Politik. So findet man beispielsweise nichts dazu, wie der Ölreichtum Afrikas künftig zum Vorteil sowohl der Afrikaner als auch Deutschlands genutzt werden könnte. Andreas Mehler nennt zwar die Krisenprävention als neues wichtiges Politikfeld gegenüber Afrika, bemerkt in seinem Beitrag jedoch selbst, dass diesem Konzept noch die regionale Konkretisierung fehle. Vermissen lässt der Band zudem eine Auseinandersetzung mit der auch in Afrika erstarkenden globalisierungskritischen Bewegung. Die Autoren sind daher aufgefordert nachzulegen.
Ulf Engel,
Robert Kappel (Hg.):
Germanys Africa Policy Revisited. Interests, images and incrementalism.
Münster, Lit 2002,
214 S., 20,90 Euro,
ISBN 3-8258-5985-1
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