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Frauen im Krieg
Opfer und Hoffnungsträger zugleich
 8-9/2003
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[ Tagung in Loccum ]
Frauen im Krieg
Opfer und Hoffnungsträger zugleich
Wenn bewaffnete Auseinandersetzungen beendet und nachhaltige Lösungen für die ihnen zugrunde liegenden Konflikte gefunden werden sollen, dann müssen Erfahrungen und Interessen von Frauen stärker als bisher in Friedensprozessen berücksichtigt werden. Dies war ein zentrales Ergebnis einer Tagung zum Thema Geschlechterverhältnisse in der Überwindung von Gewaltkonflikten vom 27. bis 29. Juni in der Evangelischen Akademie Loccum. Kriege finden heute immer weniger auf begrenzten Schlachtfeldern statt, sondern inmitten des Lebensraums von Frauen, Kindern und alten Menschen. Verändert hat sich auch der Charakter bewaffneter Auseinandersetzungen; seit längerem lässt sich in allen Weltregionen eine Privatisierung der Gewalt beobachten. Conrad Schetter (Zentrum für Entwicklungsforschung, Bonn) illustrierte am Beispiel Afghanistan, wie die seit Jahrzehnten andauernden Kämpfe zwischen Warlords und Milizen zu einer neuen Wirtschaftsform geführt haben: Gewaltökonomien ersetzen herkömmliche zivile Wirtschaftskreisläufe und -beziehungen. Gehandelt wird in erster Linie mit Waffen, Drogen und Frauen; Kriegswaisen schließen sich mangels anderer finanzieller Überlebensperspektiven als willige Kämpfer bewaffneten Milizen an.
Dass in diesen Kriegen die Zunahme von Gewalt gegen Frauen einem klaren Muster folgt, war die These von Rolf Pohl vom Psychologischen Institut der Universität Hannover. Bei der gewaltsamen Austragung von Konflikten gehe es immer auch um die Wiederherstellung hegemonialer Männlichkeit. Vor allem in Zeiten, in denen die männliche Identität Verunsicherungen erfahre, etwa durch chronische Arbeitslosigkeit oder ähnliche Demütigungen, neigen laut Pohl Männer dazu, Gewalt als Mittel zur Wiederherstellung ihrer gesellschaftlichen Vorherrschaft einzusetzen. Vor diesem Hintergrund bot Pohl eine Interpretation des in vielen Kriegen zu beobachtenden Phänomens der (Massen-)Vergewaltigungen, die sich von bisherigen Erklärungsversuchen abhob. Bisher wurden Vergewaltigungen im Krieg vor allem als Strategie zur Demoralisierung des Gegners interpretiert. Für Pohl hingegen haben sie die Funktion, sich auf aggressive Weise vom anderen Geschlecht zu distanzieren, ja dieses vorbeugend dafür zu bestrafen, dass es möglicherweise sexuelles Begehren im Täter auslösen könnte.
Wege aus der Gewalt führen über die Bildung von Friedensallianzen zwischen Akteuren auf der lokalen und der internationalen Ebene unter konsequenter Beteiligung von Frauen, so Martina Fischer vom Berghof-Forschungszentrum Berlin. Werden Frauen nicht von Beginn an in Friedensprozesse integriert, bleiben sie meistens auch von der Neuordnung der Gesellschaft ausgeschlossen. Generell müsse nach dem Ende eines Krieges die Förderung ökonomisch tragfähiger Aktivitäten und Strukturen im Vordergrund stehen unabhängig vom Geschlecht. Doch zugleich seien traumatisierte Frauen besonders auf Unterstützung zur Stärkung des Selbstbewusstseins angewiesen. Offen blieb bis zum Tagungsende die kontrovers diskutierte Frage nach der Rolle von Peacekeeping-Soldaten bei der Befriedung von Konflikten: Sind ausgerechnet Soldaten als Vertreter einer zumeist extrem männerzentrierten Institution dazu geeignet, zur langfristigen Zivilisierung sozialer Beziehungen auf lokaler Ebene beizutragen?
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