Meinung

Leserbriefe

Insolvenzverfahren:
Der IWF-Vorschlag geht, die Probleme bleiben



08/2003
 

Leserbriefe

[ Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft, E+Z 2003:4 ]

PPP in China erfolgreich
Als beteiligte Gutachterin und Koordinatorin der PPP-Länderstudie zu China bin ich überrascht sowohl über das Editorial von Reinold E. Thiel im April-Heft als auch über die Einleitung zum Artikel von Tilman Altenburg und Tatjana Chahoud. In beiden Fällen werden Mitnahmeeffekte bei PPP-Maßnahmen in den Vordergrund gerückt. Im Editorial ist außerdem sowohl von der Gefahr der alten Unkultur isolierter und deshalb wirkungsloser Einzelprojekte die Rede als auch vom Problem, dass die Berichterstattung ausschließlich auf Firmeninformationen beruhe.

Zumindest was China angeht, müssen diese Aussagen relativiert werden. So beruht unser Gutachten nicht nur auf Firmeninformationen. Vielmehr wurden Informationen im BMZ, in den Durchführungsorganisationen DEG und GTZ, bei der CDG und CIM eingeholt. In China wurden Gespräche mit nationalen und internationalen Organisationen, mit Repräsentanten der chinesischen Partnerunternehmen und mit deutschen Vertretern geführt. Berücksichtigt wurden zudem Gespräche in den lokalen Behörden, die für die Rahmenbedingungen der jeweiligen PPP-Maßnahmen verantwortlich sind.

Von den zwölf in China untersuchten PPP-Maßnahmen fanden drei in Abstimmung mit den jeweiligen regionalen Umweltbehörden statt oder waren in deren Politiken eingebunden. Sieben Maßnahmen stehen in direktem Zusammenhang mit der regionalen oder lokalen Wirtschaftsförderung. In einigen Fällen ergab sich als ursprünglich nicht intendierte Wirkung die Sensibilisierung von Umweltbehörden.

Die Einschätzung der zwölf Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt der Subsidiarität erbrachte, dass in mindestens zwei Fällen Maßnahmen mit Umweltbezug bereits aus eigener Veranlassung durchgeführt worden waren, in anderen Fällen die Vorhaben auch ohne PPP-Beitrag hätten durchgeführt werden können, die entwicklungspolitischen Wirkungen dann aber erheblich geringer gewesen wären, da keine Schulung von Ingenieuren und Fachleuten stattgefunden hätte.

Dr. Hannelore Börgel,
unabhängige Gutachterin, Berlin


Anmerkung der Redaktion:
Der Begriff „Berichterstattung“ im Editorial bezog sich nicht auf die Evaluierung, sondern auf Projektberichterstattung. Und dass die Autoren einer Querschnittsanalyse beklagen, eine Vielzahl von PPP-Projekten sei nicht in weitergreifende Politiken eingebunden, schließt natürlich einzelne positive Beispiele nicht aus. Es ist erfreulich, dass Frau Börgel darauf hinweist.



[ Der fruchtlose Streit um die Gentechnik, E+Z 2003:5, S. 207 ]

Fruchtvoller Dialog mit NROs
Im letzten Satz seines Artikels zitiert mich Tillmann Elliesen damit, ich sei nur bereit, mit ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Einrichtungen, nicht aber mit Greenpeace zusammenzuarbeiten. Dieses Zitat ist missverständlich, weil der Kontext des Gesprächs im Artikel nicht deutlich wird. Während eines längeren Gedankenaustauschs mit mir machte Herr Elliesen den Vorschlag, Vertreter von Greenpeace dazu einzuladen, mich zu den Interviews mit indischen Baumwollbauern zu begleiten. Da wir im laufenden Forschungsprojekt bereits mit einer lokalen Hochschule zusammenarbeiten und sozioökonomische Feldstudien meines Erachtens nur von unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt werden sollten, lehnte ich diesen Vorschlag ab. Darüber hinaus halte ich aber eine enge Kooperation mit allen gesellschaftlichen Gruppen in der entwicklungspolitischen Debatte für äußerst wichtig. Im Rahmen meiner bisherigen Arbeit zum Thema Biotechnologie habe ich bereits unzählige konstruktive Diskussionen mit Vertretern von Greenpeace und anderen NROs geführt. Auch in Zukunft freue ich mich auf einen fruchtvollen Dialog.

Dr. Matin Qaim, Zentrum für
Entwicklungsforschung, Bonn

Guter Journalismus
Ich finde es mutig und obendrein noch gut geschrieben, wie sie die Probleme mancher Vertreter unter den Gentechnikgegnern im Umgang mit unbequemen Fakten schildern. Es ist mutig, dass Sie darauf beharren, die Tatsachen zu würdigen, statt sie um des vermeintlich höheren Ziels willen zu leugnen. Das ist auch guter Journalismus. Bisweilen macht sich in manchen Diskussionen ein Stil breit, der eher an Auseinandersetzungen unterschiedlicher Glaubensrichtungen erinnert.

Christoph Spurk, Bern


[ Partizipation als Prozess. Ein Erfolgsbericht aus
Jemen, E+Z 2003:5, S. 188 ]

Partizipation – eine gute Lösung
Die Partizipation in dem von Gerald Braun beschriebenen Bildungsprojekt im Jemen habe ich als GTZ-Teamleiterin eingeführt. In vielen Gemeinden in ländlichen Gebieten im Jemen waren die Schulen zerstört, und als ich die Einwohner fragte, warum sie das täten, sagten sie, dass die zentralistische Regierung mit den Gebern zu stark verbunden sei und Bildungssysteme aus dem Westen importiert würden. Daraufhin habe ich einen Workshop organisiert mit Vertretern der Regierung und der Bevölkerung, auf dem ich die Partizipation der Bevölkerung im Bildungssektor vorgeschlagen habe. Das führte zum Frieden zwischen der Regierung, den Gebern und der Bevölkerung, die Schulen wurden nicht mehr zerstört und alle Beteiligten sagten, dass diese Lösung sehr gut sei. Auch der Minister war mir dankbar.

Judith Schulz, Wiesbaden