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[ Afrikanische Friedenstruppen ]


07/2003
 

[ Interview mit Harry Donsbach ]

Kongo: Die Friedenstruppe kann
die Gewalt nicht unterbinden

Schwere Kämpfe mit Hunderten von Toten zwischen den ost-kongolesischen Volksgruppen der Hema und der Lendu haben die Europäische Union (EU) Anfang Juni dazu bewogen, eine von Frankreich geführte Friedenstruppe in die Krisenprovinz Ituri zu entsenden. Fragen zu den Hintergründen des Konflikts und den Aussichten, Frieden zu stiften, an Harry Donsbach, den Referenten für Humanitäre Hilfe der Organisation World Vision Deutschland, der sich Ende Mai in Ituri aufgehalten hat.

Herr Donsbach, in den Medien ist immer wieder von einem drohenden Völkermord in Ituri die Rede. Ist das angemessen?
Nein. Es gibt schwere Kämpfe zwischen den Milizen der Hema und der Lendu, beide Seiten sind mit automatischen Waffen ausgestattet und schrecken nicht davor zurück, ganze Dörfer auszulöschen. Aber von einem Völkermord zu sprechen ist übertrieben.

Was sind die Ursachen für die Kämpfe?
Der Konflikt ist Jahrhunderte alt. Damals wie heute ging es um Macht sowie den Besitz und die Nutzung von Land und anderen Ressourcen. Während der Kolonialzeit und der dreißigjährigen Diktatur von Mobutu herrschte oberflächliche Ruhe, aber nach dem Zusammenbruch des Staates brach der Konflikt wieder auf. Heute heizen zusätzlich die Nachbarstaaten die Auseinandersetzungen an, vor allem Uganda und Ruanda.

Von dort kommt auch der größte Teil der Waffen ...
Davon gehen Beobachter aus. Die Vereinten Nationen werfen vor allem Uganda vor, die Milizen zu bewaffnen und mit ihnen Geschäfte zu machen.

Andererseits ließ sich beobachten, dass die Kämpfe eskalierten, als Uganda – auch auf internationalen Druck – seine Truppen aus Ituri zurückzog. War das ein Fehler?
Ja, möglicherweise. Denn dadurch entstand in der Region wieder ein Machtvakuum. Aus diesem Grund hat sogar die Regierung in Kinshasa Uganda aufgefordert, seine Soldaten nicht abzuziehen.
Was kann die EU-Kampftruppe erreichen? Der Leiter des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze,

Winrich Kühne, hält 1400 Soldaten für viel zu wenig. Um den gesamten Kongo zu befrieden, seien bis zu 100 000 Soldaten nötig.
Im Grunde stimme ich Kühne zu. Die Kampftruppe wird in der Lage sein, die Zivilbevölkerung und die Flüchtlinge in Bunia zu schützen. Sie kann aber nichts gegen die furchtbare Gewalt im Umland tun. Dazu müsste man das Mandat ausweiten und viel mehr Soldaten haben.

Es gibt kaum Stellungnahmen von afrikanischen Politikern zu den Kämpfen in Ituri. Interessiert die Afrikaner nicht, was dort passiert?
Diesen Eindruck kann man bekommen. Nach Bunia war ich in Kenia und dort werden die Konflikte in Ost-Kongo kaum zur Kenntnis genommen.

Was muss unternommen werden, um eine politische Lösung für die Konflikte in Kongo zu erreichen?
Eine politische Lösung muss in Kongo selbst und bei den Nachbarstaaten ansetzen. Auf letztere, vor allem auf Uganda und Ruanda, muss Druck ausgeübt werden, sich nicht mehr einzumischen. In Kongo selbst muss endlich die Übergangsregierung gebildet werden, die im Friedensabkommen zwischen Rebellen und Regierung vereinbart wurde. Sobald das geschehen ist, muss die internationale Gemeinschaft sie logistisch, finanziell und beratend dabei unterstützen, eine Lösung für die Konflikte zu finden. Unabdingbar ist, dass im so genannten innerkongolesischen Dialog alle Fraktionen berücksichtigt werden. Die Konfliktparteien in Ituri waren bislang nicht beteiligt und haben auch nicht das Friedensabkommen unterzeichnet.
Die Fragen stellte Tillmann Elliesen.