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Strategische Partnerschaft


05/2006
 

Strategische Partnerschaft

Die deutsche Entwicklungspolitik strebt Bündnisse mit regionalen Schwergewichten an, um globale Probleme gemeinsam anzugehen. Weiterbildungs- und Dialogprogramme für Nachwuchsführungskräfte aus Ankerländern sind ein Mittel, um solche Kooperation zu erleichtern.


[ Von Günther Taube ]

„Managing Global Governance“ (MGG) heißt ein neues Programm von InWEnt und dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) soll es die Zusammenarbeit mit „Ankerländern“ voranbringen. Dies sind Länder, die wegen ihrer politischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Bedeutung ihre Weltregion prägen und in globalen Angelegenheiten wichtige Rollen übernehmen können (Wieczorek-Zeul, 2005, Stamm und Altenburg, 2005, Taube, 2005). Ankerländer sind Schlüsselmächte für ihre jeweiligen Regionen. Sie haben Einfluss auf Stabilität, Prosperität und Armutsreduzierung auch in Nachbarländern. Zunehmend spielen sie aber auch eine Rolle bei der Gestaltung von Globalisierung. Internationale Organisationen und Regelwerke spiegeln ihre Bedeutung aber bislang noch nicht zureichend wider, denn in der Global-Governance-Architektur dominiert weiterhin die Gruppe der führenden Industrieländer (G7/8). Einige Ankerländer artikulieren aber bereits ihr Interesse, globale Verhältnisse mit zu gestalten. Sie bilden untereinander Koalitionen, verbünden sich aber auch mit anderen Entwicklungsländern oder mit G7/8-Mitgliedern.

Das BMZ setzt gezielt auf die Kooperation mit einer Gruppe von elf Ankerländern (China, Indien, Indonesien, Pakistan, Thailand, Ägypten, Nigeria, Südafrika, Brasilien, Mexiko und Türkei). Mit ihnen werden strategische Partnerschaften angestrebt, um regionale und globale Herausforderungen anzugehen. Dazu zählen die internationale Handels- und Finanzordnung, Sicherheit und Frieden, Armutsbekämpfung sowie nachhaltige Entwicklung, Umweltschutz und Energieverbrauch. Das BMZ setzt darauf, dass Ankerländer sich ihrer besonderen Rolle in der Welt und in ihren Regionen stärker bewusst werden.


Wechselseitiges Lernen

Das neue Weiterbildungs- und Dialogprogramm leistet dazu einen konkreten Beitrag. Es sorgt für Austausch unterschiedlicher Perspektiven und für besseres wechselseitiges Verständnis. Das Programm bietet Nachwuchsführungskräften aus Ankerländern eine Plattform, die es in dieser Form international bisher noch nicht gibt. Die Teilnehmenden werden mit deutschen und europäischen Sichtweisen auf Global Governance vertraut gemacht. Gleichzeitig erlaubt das Programm Akteuren der deutschen Entwicklungspolitik, Standpunkte zu Global Governance aus Ankerländern besser zu verstehen. Es vermittelt den Teilnehmenden außerdem Kompetenzen, die nötig sind, um sich aktiver in die Global-Governance-Architektur einzubringen. Gegenstand der Weiterbildung sind Themen der globalen Politikgestaltung und Strategien für Problemlösungen. Relevant sind dabei auch „soft skills“ wie Verhandlungstechniken oder interkulturelle Kommunikation.

Das Angebot richtet sich an Nachwuchsführungskräfte mit akademischer Bildung und erster Berufserfahrung (rund zwei Jahre), die in Regierungseinrichtungen oder politikorientierten Think Tanks der Partnerländer arbeiten. Deutschland hat Interesse daran, diese Leute fortzubilden und langfristigen Kontakt mit ihnen herzustellen. Dafür haben InWEnt und DIE ein Konzept aufgestellt. Ein Kernaspekt ist die enge Verzahnung von wissenschaftlichem und praxisorientiertem Lernen. Zudem nimmt der Austausch mit Experten und Nachwuchsführungskräften aus Deutschland großen Raum ein („Dialogkomponente“). Die Kurse werden jährlich mit 20 Teilnehmern stattfinden und etwa acht Monate dauern.

Die fachlich-wissenschaftliche Weiterbildung läuft beim DIE in der „Global Governance School“ (GGS). Besondere Aufmerksamkeit finden dabei die Politikfelder Frieden und Sicherheit, Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung, Internationale Finanzarchitektur, Welthandel und Internationale Investitionen, Internationaler Umweltschutz. Um derart akademische Einsichten praktisch relevant zu machen, leisten die Teilnehmer im Anschluss an die GGS ein Praktikum in einer deutschen oder europäischen Institution – etwa einem Bundesministerium.


Praxisrelevante Projektstudien

Das Praktikum dient selbstredend auch dazu, die Gäste mit hiesigen Insitutionen langfristig zu vernetzen. Vor allem werden die Teilnehmer in dieser Phase eine Projektstudie erstellen, in der sie die Theorie-Bausteine aus der GGS mit praktischen Einsichten verbinden. Diese Studie ist ein zentrales Element des Programms. Interessenten müssen schon bei ihrer Bewerbung ein entsprechendes Konzept einreichen, dessen Qualität mit über die Aufnahme in den Kurs entscheidet. Die Forschungsfrage ist mit dem Arbeitgeber in der Heimat abgestimmt, denn das Ergebnis soll für die entsendenden Institutionen in den Ankerländern nutzbar sein.

Um den Aufenthalt in Deutschland möglichst erfolgreich zu bewältigen, brauchen die Teilnehmer ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen. Das Programm sieht deshalb mehrere aufeinander aufbauende Module zum Erwerb der deutschen Sprache vor, der Unterricht beginnt schon im Heimatland. Während des gesamten Programms steht den Teilnehmern ein „Shared Workspace“ auf dem Global Campus 21 von InWEnt zur Verfügung. Sie werden auch mit den Teilnehmenden weiterer MGG-Jahrgänge sowie mit ehemaligen Teilnehmern anderer InWEnt-Programme Kontakt aufnehmen und können sich an internationalen, virtuellen Lerngemeinschaften beteiligen.

Ende März fand in Bonn ein internationaler Workshop statt. InWEnt und DIE stellten das vorläufige Programm hochrangigen Vertretern interessierter Organisationen aus Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika vor. Aus diesen Ländern werden je vier Teilnehmer des ersten MGG-Kurses kommen.



Website:
www.gc21.de/mgg



Literatur:

Stamm, Andreas und Tilman Altenburg, 2005:
Ein Fuß in der Tür, E+Z/D+C, Oktober, 364-366
Taube, Günther, 2005: Bedarf an Weiterbildung,
E+Z/D+C, Oktober, 373-375
Wieczorek-Zeul, Heidemarie, 2005: Partner für globale Entwicklung, E+Z/D+C, Mai, 204-206



Dr. Günther Taube
leitet bei InWEnt den Bereich 2 (Internationale Regelwerke, Gute Regierungsführung, Wirtschaftspolitik).
gunther.taube@inwent.org