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Beiträge aus der Rubrik Medien
25 Jahre Zeitschrift Peripherie
Empowering women through capacity building
Südafrikas neue Elite
Deutsches Übersee-Institut. Neue Publikationen
 03/2006
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Good Governance:
Exilerfahrung prägt Regierungspolitik
Hans-Georg Schleicher:
Südafrikas neue Elite.
Die Prägung der ANC-Führung durch das Exil.
Hamburg, Institut für Afrika-Kunde 2004,
368 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 3-928049-89-5
Der Autor ist als Kenner der Materie und durch sein persönliches Verhältnis zu vielen südafrikanischen Akteuren für das Thema prädestiniert. Schleicher erwarb sich als Historiker und DDR-Botschafter in Simbabwe und Namibia die Wissensbasis für die vorliegende Studie. Er griff zudem auf Kenntnisse zurück, die er nach der Wende als wissenschaftlicher Mitarbeiter an universitären Einrichtungen in Hannover, Berlin und Hamburg sowie in der Projektarbeit in Afrika sammelte.
An Schleichers Buch wird künftig kaum jemand vorbeikommen, der die Entwicklung Südafrikas verstehen will. Er hat die wissenschaftliche Literatur, Memoiren und Archive (besonders in Südafrika und Britannien) ausgewertet. Die wichtigsten Informationen aber verdankt er den Interviews, die er mit Zeitzeugen des Befreiungskampfes gemacht hat. Tabellen, Schaubilder, ein Personenverzeichnis und eine Auswahlbibliographie runden die Studie ab.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die im Exil begonnene Vorbereitung der späteren Machtübernahme. Schleicher arbeitet heraus, wie aus dem African National Congress (ANC) und seinen Gruppen (Robben Islanders, internals, exilists) der dominierende Teil der heutigen politischen Elite wurde. Er analysiert die Folgen des Exils und der dort gemachten Erfahrungen für die gesellschaftliche Entwicklung nach dem Ende der Apartheid, ihren Einfluss auf Politik und Strategie des ANC, auf das Verhältnis von ANC zu den Kommunisten (SACP) und dem Gewerkschaftsverband COSATU. Dabei bleibt das Thema stets in den Ost-West-Konflikt eingebunden. Schleicher interessiert sich aber auch für persönliche Entwicklungen.
Schleicher schildert die politischen Zentren im Exil in Großbritannien, Tansania und Ghana, sowie später in den Frontstaaten rund um Südafrika. Strukturen bildeten sich heraus, die den ANC erst zu einem Staat im embryonalen Zustand, später zum Staat im Exil und schließlich zu einer Regierung im Wartestand machten. Schleicher geht auf das Hauptquartier, Auslandsbüros, den Politisch-Militärischen Rat, das Nationale Exekutivkomitee, zivile Bildungs- und Ausbildungsstätten, Kommandostrukturen und Ausbildungscamps des militärischen Flügels Umkhonto we Sizwe und viele andere Institutionen ein.
Für den Autor ist die Auseinandersetzung um das Apartheidsystem ein bedeutender Konflikt des 20. Jahrhunderts. Der Westen habe ihn zu lange ideologisch verortet und falsch bewertet. Schleicher sieht in der Entwicklung der ältesten politischen Bewegung Afrikas (gegründet 1912) einen wichtigen Bestandteil der jüngsten afrikanischen Geschichte. Die Zeit des Exils habe die Identität der südafrikanischen Eliten geprägt. Unter den heutigen ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen ergäben viele der alten Schemata dieser Prägung (rechts links, reaktionär progressiv) aber keinen Sinn mehr. Der Traum von der schnellen Errichtung einer sozial gerechten Ordnung im neuen Südafrika sei nicht in Erfüllung gegangen. Die Grundübel der modernen Gesellschaft wie Korruption und Nepotismus überwucherten die Vorzüge des übernommenen westlichen Modells (Demokratie, Marktwirtschaft). Vorschläge der ANC-Basis und der mittleren Ebene, wie dem gegenzusteuern wäre, harren der Diskussion. Erfahrungen des Exils helfen hier kaum weiter. Der Autor ist sich dessen bewusst. Die komplexe Situation macht politische Schlußfolgerungen und theoretische Verallgemeinerungen schwierig. Weitere Bausteine zum Verständnis der heutigen Situation hätte die Studie geliefert, wenn sie auch die der Erfahrungen im nicht-britischen europäischen Exil (Skandinavien, Sowjetunion, osteuropäische Staaten und DDR) sowie in China, Vietnam und Kuba sowie der afrikanischen Nicht-Frontstaaten diskutiert hätten.
Walter Hundt
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