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Beiträge aus dem
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Der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria
Die Bekämpfung von HIV/AIDS der deutsche Beitrag

02/2003 |
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Die Bekämpfung von HIV/AIDS der deutsche Beitrag
Von Thomas Kirsch-Woik und Kerstin Fährmann
AIDS ist eine der größten Bedrohungen für die friedliche Entwicklung der Welt, ein Ende dieser Bedrohung ist nicht in Sicht. Die Zahl der Infizierten wird für Ende 2002 auf weltweit 42 Millionen geschätzt, mit einer jährlichen Steigerung um etwa 5 %. Die meisten davon leben in den Entwicklungsländern. Der Höhepunkt der Pandemie wird erst für die Zeit um 2050 bis 2060 erwartet. Welche Maßnahmen kann die Weltgemeinschaft zur Eindämmung der Pandemie ergreifen?
HIV/AIDS kann schon seit langem nicht mehr als rein gesundheitliches Problems betrachtet werden, es ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Die Folgen von HIV/AIDS sind wirtschaftlicher Niedergang und der Kollaps staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen, ganz abgesehen von den desaströsen privaten Folgen für Betroffene und ihre Familien. Ohne die Bekämpfung von HIV/AIDS kann es keine nachhaltige Entwicklung geben. Auch die weltweite Armutsbekämpfung wird dann scheitern.
Aktueller Stand der Epidemie
HIV/AIDS wurde in den letzten zwei Jahren international auf höchster Ebene behandelt. Der Weltsicherheitsrat befasste sich das erste Mal seit seinem Bestehen mit einem Gesundheitsthema, auch die UN-Sondergeneralversammlung im Juni 2001 und der G8-Gipfel in Genua im Juli 2001 hatten das Thema auf der Agenda. Es folgte die Gründung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM), an die sich die Hoffnung knüpft, zusätzliche Ressourcen zur HIV/AIDS-Bekämpfung zu mobilisieren.
Diese globalen Anstrengungen wurden ausgelöst durch die fortschreitende globale Ausbreitung der Pandemie. Mit rund 30 Millionen Infizierten ist Afrika südlich der Sahara die am stärksten betroffene Region. Aber auch in Ländern mit einer niedrigeren Prävalenzrate sind die Gefahren durch die Epidemie nicht zu unterschätzen. Besonders in China, Indien, Osteuropa und Zentralasien besteht nach Schätzungen von UNAIDS akute Gefahr einer massiven Zunahme von Infektionen.
Die Neuinfizierten sind mehrheitlich junge Erwachsene, und die meisten von ihnen wissen nicht, dass sie den Virus in sich tragen. Entgegen allen Hoffnungen hat die Epidemie selbst in Hochprävalenzländern wie Botswana oder Südafrika ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. In manchen Regionen des südlichen Afrikas sind bereits 40 % aller schwangeren Frauen mit dem HI-Virus infiziert. UNAIDS-Exekutivdirektor Peter Piot warnt zu Recht, dass wir mit unseren bisherigen Bemühungen AIDS weder aufgehalten haben noch in Zukunft aufhalten werden.
Die finanziellen und psychologischen Folgen von AIDS sind verheerend und beeinflussen nicht nur das Leben der Menschen heute, sondern auch die Chancen künftiger Generationen. AIDS führt in vielen Gemeinschaften des südlichen Afrika zu Diskriminierung, Verarmung, Hunger, und die Kette der Weitergabe von Wissen zwischen den Generationen wird unterbrochen. Die meisten der zahlreichen AIDS-Waisen werden weder von ihren Familien noch von ihren Gemeinden die nötige Erziehung und Unterstützung erhalten. Viele von ihnen werden ihre Schulbildung abbrechen müssen, um durch Arbeit die Familie zu unterstützen. Andere werden in die Kriminalität abrutschen, militaristischen Organisationen beitreten oder auf andere Weise zur politischen und sozialen Instabilität ihrer Länder beitragen.
Die Folgen von HIV/AIDS auf die Wirtschaftskraft der betroffenen Regionen sind vielfältig. Da die Opfer der Krankheit hauptsächlich junge, ökonomisch aktive Menschen sind, schätzt die Commission on Macroeconomics and Health (CMH) der WHO, dass durch AIDS das jährliche Wirtschaftswachstum im südlichen Afrika um mehrere Prozentpunkte zurückgehen wird, so dass insgesamt zwischen 11,7 % (konservative Schätzung) und 35 % des Bruttosozialprodukts südlich der Sahara verloren gehen werden. Das bedeutet, dass es immer stärker auch Produktivitäts- und Gewinnverluste für Firmen im Privatsektor geben wird. Die Wirtschaft hat bereits darauf reagiert: Investitionen im südlichen Afrika sind in den vergangenen Jahren merklich zurückgegangen.
Neue Herausforderungen für die Weltgemeinschaft entstehen zudem durch die rapide Ausbreitung von HIV/AIDS in bisher wenig betroffenen Gegenden der Welt, insbesondere in Asien, Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion. Außerdem hat die Verfügbarkeit lebensverlängernder Medikamente für AIDS-Kranke (sog. antiretrovirale Therapie, ART) in Industrieländern zu einer Debatte darüber geführt, ob diese Medikamente nicht auch armen Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern zur Verfügung stehen müssten.
Effektive Strategien
20 Jahre nach Beginn der Epidemie sind die Erfolge in der HIV/AIDS-Bekämpfung erschreckend gering. Es gibt es aber auch positive Entwicklungen; wir haben in den vergangenen 20 Jahren gelernt, welche Strategien erfolgreich sind. Länder wie Thailand und Uganda haben gezeigt, dass es gelingen kann, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Wirksame HIV/AIDS-Bekämpfungsprogramme, wie z. B. die GTZ-Vorhaben zur AIDS-Bekämpfung in Uganda und Tansania, zeichnen sich durch folgende Komponenten aus:
- Auf höchster politischer Ebene muss das HIV/AIDS-Problem frühzeitig erkannt und die Bekämpfung als wichtiges Ziel staatlichen Handelns auf allen Ebenen eingestuft werden, um ein Klima der Verantwortlichkeit zu entwickeln.
- In die HIV/AIDS-Bekämpfung muss ein breiter Fächer von Akteuren des internationalen, des staatlichen, des gemeinnützigen und des privaten Sektors einbezogen werden.
- Menschen, die mit HIV/AIDS leben, müssen aktiv in die Präventionsmaßnahmen einbezogen.
- Durch sozialpolitische Maßnahmen zugunsten armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen kann deren Anfälligkeit für die HIV-Infektion reduziert werden.
- Die Bekämpfungsprogramme müssen alle für die Entwicklung eines Landes wichtigen Sektoren einschließen (Multisektoraler Ansatz) und sich nicht auf den Gesundheitssektor beschränken.
- Durch das Zusammenwirken einer Vielzahl von Maßnahmen (Aufklärung, Suchtbekämpfung, Zugang zu Kondomen, Unterstützung bei häuslicher Pflege etc.) muss dem Einzelnen ein Angebot zur Verfügung gestellt werden, dass den verantwortungsvollen Umgang mit HIV/AIDS ermöglicht.
- Dorfgemeinschaften müssen in eine nationale Strategie eingebunden werden, um durch partizipative Maßnahmen auf lokaler Ebene die Familien dabei zu unterstützen, mit den sozio-ökonomischen Folgen von AIDS umzugehen. Zu den notwendigen gruppenspezifischen Präventionsprogrammen gehören Maßnahmen, die das Verantwortungsbewusstsein von Männern fördern, Empowerment-Aktivitäten für junge Mädchen, der verbesserte Zugang von Frauen zu Beratungsdiensten, Rechtsberatung für Ehefrauen und Witwen, aber auch Maßnahmen für besonders gefährdete Gruppen wie Soldaten, Minenarbeiter, Wander- und Saisonarbeiter, Prostituierte, homosexuelle Männer, Konsumenten intravenöser Drogen und Insassen von Strafvollzugsanstalten, Lastwagenfahrer, etc.
- Die Betreuung von Infizierten muss sich von der Beratung vor und nach der Testung bis zur Fürsorge und Behandlung der Krankheit erstrecken. Dazu gehört auch der Zugang zu antiretroviraler Therapie, der zur Zeit in einer Reihe von Ländern unter Pilot-Bedingungen getestet wird.
Die deutschen Schwerpunkte in der Zusammenarbeit
Ausgehend vom internationalen Erkenntnisstand in der AIDS-Bekämpfung stehen bei den deutschen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen folgende vier Elemente im Mittelpunkt:
- Prävention, um die weitere Ausbreitung der Krankheit einzuschränken. Dabei sind Jugendliche und junge Erwachsene die zentrale Zielgruppe. Maßnahmen der Jugendförderung, um den Jugendlichen eine Lebensperspektive in schwierigen Lebenslagen aufzuzeigen, sowie Social Marketing für Kondome haben sich als wirkungsvolle Prävention bewährt.
- Soziale Grunddienste, deren Aufbau, insbesondere im Gesundheitswesen, für Prävention ebenso wie für Diagnostik, Therapie und Versorgung der Betroffenen und Erkrankten unabdingbar ist.
- Der politische Dialog mit unseren Partnerländern, um diese zu eigenen Anstrengungen zu ermutigen, für die wir unsere Unterstützung anbieten.
- Partnerschaft mit dem privaten Sektor und der Zivilgesellschaft, durch die eine umfassendere Bekämpfung von HIV/AIDS ermöglicht wird, z. B. bei Präventionsmaßnahmen in Betrieben oder bei der kostenlosen Bereitstellung von Medikamenten zur Verhinderung der Ansteckung.
Neue Vorgehensweisen: Mainstreaming und multisektoraler Ansatz
Multisektoraler Ansatz bedeutet, dass die Bekämpfung der Seuche und ihrer Auswirkungen nicht mehr allein die Aufgabe von AIDS-Projekten oder des Gesundheitssektors sein kann. Da alle Bereiche von der Bildung über die Landwirtschaft bis zur Wirtschaft betroffen sind, müssen sie in der betroffenen Region auch gemeinsam einbezogen werden. Präventive Maßnahmen für Erhalt und Förderung von Personalressourcen können z. B. relativ leicht in alle Projekte und Programme der EZ integriert werden.
Um die Nachhaltigkeit der Maßnahmen der deutschen EZ auch langfristig sicherzustellen, werden die folgenden HIV/AIDS-relevanten Fragestellungen schon im Frühstadium der Vorbereitung von Projekten und Programmen einbezogen, bevor mit den Partnerländern gemeinsam der jeweiligen Situation angepasste Strategien entwickelt werden:
- Trägt der Sektor, in dem das Projekt angesiedelt ist, bzw. tragen die Instrumentarien zur Ausbreitung von HIV/AIDS bei? Dies kann in vieler Hinsicht der Fall sein, z. B. bei Infrastrukturmaßnahmen, Projekten, die die Mobilität fördern oder temporäre Sozialstrukturen schaffen.
- Verfügt der Sektor über Instrumentarien und Ansatzpunkte, die für die Eindämmung der HIV/AIDS-Prävention nutzbar gemacht werden können? Hierzu gehören z. B. Projekte, die mit Jugendlichen und Schülern arbeiten, partizipative Methoden in der Gemeindeförderung einsetzen oder über Mittler wie Lehrer, staatliche Beratungsdienste u. ä. wirken.
- Greifen die Strategien und Instrumente des Sektors in von HIV/AIDS besonders stark betroffenen Regionen oder müssen neue Strategien entwickelt werden? Die Anwendung bewährter Instrumente der deutschen EZ wie z. B. die Förderung von Kleinkreditprogrammen, der Aufbau von Krankenversicherungssystemen oder Maßnahmen zur Ernährungssicherung gehen in der Regel von stabilen Sozialstrukturen und gesunden Familienmitgliedern aus. Von HIV/AIDS betroffene Familien werden vielfach von diesen Programmen nicht mehr erreicht.
Die Sensibilisierung von und Abstimmung mit politischen Entscheidungsträgern und Akteuren auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene, einschließlich der Privatwirtschaft und ehrenamtlich Tätigen ist hierbei der wichtigste Ausgangspunkt. Erste positive Erfahrungen mit diesem Ansatz liegen aus dem Gesundheitssektor, dem Bildungssektor, der Ländlichen Entwicklung, der Armutsbekämpfung, dem Jugendbereich, der Dezentralisierung und Demokratieförderung sowie dem Transportsektor vor.
Die Umsetzung des multisektoralen Ansatzes in den einzelnen Sektoren, einschließlich der Entwicklung der hierzu notwendigen HIV/AIDS-Kompetenz des EZ- und Partner-Personals, wird durch die vom BMZ initiierte Sonderinitiative Mainstreaming AIDS in der deutschen EZ (SIMA) unterstützt und begleitet. Die zusammengetragenen Erfahrungen sollen Schritt für Schritt in den einzelnen Partnerländern zu Synergieeffekten innerhalb der deutschen EZ und zu einer nachhaltigen Unterstützung der Partner bei der Eindämmung der HIV/AIDS-Epidemie führen.
Medikamente
Die in den Industrieländern entwickelten antiretroviralen Medikamente sind den AIDS-Kranken in Entwicklungsländern in den meisten Fällen nicht zugänglich. Die Frage, wie eine Therapie mit diesen Medikamenten sichergestellt werden kann, wird aus Sicht der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zukünftig an Bedeutung gewinnen. Für den methodischen Zugang zur Bekämpfung von HIV/AIDS wird es unerlässlich sein, dass Prävention und Therapie integriert durchgeführt werden.
Bislang fehlen allerdings häufig wesentliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung von antiretroviralen Therapien. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung einer nationalen Arzneimittelpolitik, qualifizierte Gesundheitssysteme und der Aufbau von nationalen Forschungseinrichtungen. Es fehlt häufig auch an bezahlbaren antiretroviralen Medikamenten. Die Bundesregierung unterstützt daher Initiativen, lebensnotwendige Wirkstoffe und Medikamente in den Entwicklungsländern zu niedrigeren Preisen als in den Industrieländern oder sogar kostenlos abzugeben.
Durch Preissenkungen der pharmazeutischen Industrie in den letzten Jahren wächst der Personenkreis, für den eine solche Therapie bezahlbar wird. Die Frage der globalen Versorgungsgerechtigkeit beim Zugang zu essentiellen Medikamenten auch für ärmste Bevölkerungsschichten ist damit zu einem prioritären Thema auf der internationalen Agenda geworden. Inwieweit durch medikamentöse Prävention der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind und durch besseren Zugang zur antiretroviralen Therapie tatsächlich die Entwicklung der Pandemie verlangsamt werden kann, muss begleitend erforscht werden.
Perspektive
Nach der Phase internationaler politischer Mobilisierung und zusätzlicher Mittel für die HIV/AIDS-Bekämpfung wird es in den kommenden Jahren vor allen Dingen um die Unterstützung unserer Partner bei der Weiterentwicklung und Ausweitung bekannter, effektiver HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategien gehen. Die Nutzung neuer Finanzierungsquellen und -instrumente wie z. B. des Globalen HIV/AIDS-Fonds (GFATM) sowie die systematische Ausweitung der Maßnahmen zur HIV/AIDS-Bekämpfung auf alle entwicklungsrelevanten Sektoren stellen eine enorme Herausforderung aller Beteiligten in den Entwicklungsländern und Industrieländern dar.
Die Entwicklung der HIV/AIDS-Pandemie zeigt in den letzten Jahren eine wachsende Gefährdung ärmerer Bevölkerungsgruppen sowie ein erhöhtes Risiko, durch die Folgen von HIV/AIDS in Armut zu geraten. In Frage gestellt wird damit der Erfolg der Armutsbekämpfung , die nicht nur das wichtigste Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist, sondern auch auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im September 2000 in den Vordergrund gestellt wurde: den Anteil der extrem Armen an der Weltbevölkerung bis zum Jahre 2015 zu halbieren. Ohne die gleichzeitige Bekämpfung von HIV/AIDS wird dies nicht gelingen und eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich sein.
Dr. Thomas Kirsch-Woik ist Seniorfachplaner und Leiter des HIV/AIDS Leistungsbereichs der GTZ, Eschborn. thomas.kirsch-woik@gtz.de
Kerstin Fährmann ist stellvertretende Referatsleiterin Gesundheit und Bildung (415) im BMZ, Bonn faehrman@bmz.bund.de
1) UNAIDS: Report on the Global HIV/AIDS Epidemic. Genf, December 2002
2) ebd., S. 6-7
3) Kassalow, Jordan S.: Why Health is Important to US Foreign Policy. New York 2001
4) Sachs, Jeffrey, et al.: Macroeconomics and Health: Investing in Health for Economic Development. Report of the Commission on Macroeconomics and Health. Geneva, WHO 2001, S. 31-32
5) ebd., S. 39
6) Kontakt: Dr. Julia Katzan, Sonderinitiative Mainstreaming AIDS in der deutschen EZ, Büro Bonn, Im Tulpenfeld, Haus 7, Raum 21-24,Theodor-Heuss-Allee 2-10, 53113 Bonn,
7) BMZ: Armutsbekämpfung eine globale Aufgabe. Aktionsprogramm 2015. Der Beitrag der Bundesregierung zur weltweiten Halbierung extremer Armut. BMZ-Materialien Nr. 106. Bonn, April 2001
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