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Nachhaltigkeit, wie sie die Weltbank sieht




02/2003
 

Nachhaltigkeit, wie sie die Weltbank sieht

Von Dr. Rainer Barthelt, Bonn

Zugegeben, die Lektüre des Weltentwicklungsberichts 2003 der Weltbank ist anstrengend. Arbeitet man sich aber hindurch, dann kann man durchaus zu einer anderen Beurteilung kommen als Liane Schalatek und Barbara Unmüßig in ihrem Beitrag.


Es geht der Weltbank nämlich mitnichten nur um das „Mantra vom Entwicklungsmotor Wirtschaftswachstum“, sondern um die Frage, wie in den armen Ländern dringend benötigtes Wachstum erzielt und zugleich zu hohe soziale und ökologische Kosten vermieden werden können. Wie eine in den kommenden Jahrzehnten um ein Drittel wachsende Weltbevölkerung ohne Wirtschaftswachstum auskommen soll, verraten die Autorinnen im Übrigen nicht. Stattdessen rügen sie, dass Strukturanpassungsprogramme oft verheerende Sozial- und Umweltauswirkungen zeitigen und Armutsstrategiepapiere den Aspekt Nachhaltigkeit vernachlässigen. Die beispielhaften Regelungen zum Schutz der Artenvielfalt in den Wäldern Kameruns, die im Rahmen von Strukturanpassungsprogrammen durchgesetzt wurden und die der Weltbankbericht beschreibt, erwähnen Schalatek und Unmüßig allerdings nicht. Gegen den Widerstand ausländischer Firmen und ihrer einheimischen Verbündeten wurde die undurchsichtige Praxis der Konzessionsvergabe zur Nutzung forstwirtschaftlicher Ressourcen durch ein transparentes Verfahren ersetzt, das erstmals in Zentralafrika anliegenden Gemeinden vorrangigen Zugang in die Waldgebiete garantiert.

Besonders verblüffend ist die Feststellung der Autorinnen, dass der Bericht „bedauerlicherweise“ die „Diskussion um die Reform bestehender und die Schaffung neuer Institutionen nicht aufnimmt“. Richtig ist, dass die Weltbank keine Empfehlungen für „eine Reorganisierung des globalen Institutionengefüges (global governance)“ gibt, wie Schalatek und Unmüßig schreiben. Dafür behandelt der Bericht ausführlich die Rolle lokaler und nationaler Institutionen und betont die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit in Fragen der Nachhaltigkeit, solange es durchsetzungsfähige Institutionen auf globaler Ebene nicht gibt. Auch das wird von Schalatek und Unmüßig einfach ignoriert.