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Kuba will Bucht von Havanna sanieren

02/2003 |
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Für den Tourismus und gegen Umweltverschmutzung
Kuba will Bucht von Havanna sanieren
Von Hinrich Mercker
Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise setzt die kubanische Regierung voll auf den Tourismussektor, die wichtigste Devisenquelle. Auch die Industrie muss sich dieser Maxime unterordnen, wenn es um den Umweltschutz im Dienste des Tourismus geht. Ein Beispiel für sektorübergreifendes Konfliktmanagement und zukunftsfähige Umweltplanung ist die Sanierung der Bucht von Havanna. InWEnt unterstützt die Sanierung mit einem umfangreichen Trainingsprogramm für Führungskräfte der kubanischen Industrie.
Der Tourismussektor ist (neben den Überweisungen von Exilkubanern aus Miami) zur wichtigsten Deviseneinnahmequelle Kubas geworden. Ein fester Punkt im Reiseprogramm der Touristen ist die Altstadt von Havanna, die direkt an den Hafen grenzt. Der Hafen war Anfang der 90er Jahre zu eine Kloake verkommen, zahlreiche Industrieansiedlungen und eine große Raffinerie verschmutzten das Wasser. Ein Großteil der Abwässer Havannas wird in die Bucht ungeklärt eingeleitet. 1998 setzte das kubanische Kabinett zum Schutz und zur Sanierung der Bucht von Havanna die interministerielle Task Force Grupo de Trabajo Estatal para el Saneamiento, Conservacion y el Desarrollo Sostenible de la Bahia de la Habana (GTE) ein und stattete sie mit Personal, Finanzen und einem umfassenden politischem Mandat aus. Eine solche interministerielle Instanz ist im sozialistischen Kuba ein bisher einzigartiger Modellversuch.
Die Einsetzung von GTE zeigt, dass der Tourismussektor höchste Priorität genießt, wodurch die Industrie zwar in direkte Konkurrenz zum Tourismussektor tritt. Doch gleichzeitig will die GTE die Industrie als Wegbereiter und Motor für vorbeugendes Umweltmanagement nutzen. Dieser Programmansatz erfordert umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen mit den Industriebetrieben an der Bucht von Havanna. Im Dezember 2002 wurde das Kooperationsabkommen zwischen InWEnt und GTE in Havanna verlängert. In Trainingskursen werden Führungskräfte von Raffinerien, Kraftwerken und Industriebetrieben in Methoden und Techniken präventiven Umweltschutzes fortgebildet. InWEnt berät GTE in der Ausgestaltung der umfangreichen Capacity-development-Komponente des Projektes.
GTE hat einen Aktionsplan entwickelt, der eine über mehrere Jahre angelegte fast vollständige Umwandlung der Bucht und des Hafens vorsieht. Die Gewässerqualität soll durch den Stopp der legalen und illegalen Einleitung von Abwässern und den Bau von Abwasser- und Kläranlagen verbessert werden. Hinzu kommen präventive Umweltschutzmaßnahmen und Trainingsprogramme in Umwelt- und Abwassermanagement. Durch Betriebsschließungen und verlagerungen werden die stadtnahen Emissionen stark reduziert und an vielen Stellen ein direkter Zugang für die Bevölkerung und Touristen zur Bucht geschaffen.
In ökonomischer Hinsicht wird eine Erhöhung der Deviseneinnahmen aus dem Tourismussektor erwartet. Alte Lagerhallen werden zu attraktiven Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe umgebaut, Anlegeplätze für Yachten entstehen und in naher Zukunft können zum ersten mal Hafenrundfahrten angeboten werden, um den alten Stadtkern vom Wasser aus betrachten zu können. Einige Produktionsstätten werden in Museen und kulturelle Zentren umgewandelt.
Ein Ölunfall in der Bucht von Havanna würde alle bisherigen Erfolge kurzfristig zunichte machen. Daher hat InWEnt in Kooperation mit dem Technischen Hilfswerk THW und der Firma Jafo-Technologie (Blohm und Voss) im Dezember 2002 eine PPP-Maßnahme zur Ölschadensbekämpfung im Hafen von Havanna durchgeführt, bei der Mitarbeiter der Hafenbehörden und von Raffinerien an einer Separationsanlage ausgebildet wurden.
Hinrich Mercker leitet die Abteilung Umweltpolitik und Umweltmanagement des Bereiches Umwelt, natürliche Ressourcen und Ernährung von InWEnt in Berlin
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