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02/2003 |
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AKP-Länder im Nachteil
GTZ: Liberalisierung des Zuckermarktes würde vor allem arme Produzentenländer treffen
Eine Liberalisierung des Weltmarktes für Zucker würde erhebliche Auswirkungen auf die zuckerproduzierenden Länder im Süden haben, vor allem die mit der Europäischen Union (EU) assoziierten AKP-Länder (Afrika, Karibik, Pazifik). Das geht aus einer Studie der GTZ hervor, deren Ergebnisse am 16. Dezember vorgestellt wurden.
Der Weltmarktpreis für Zucker beträgt derzeit rund 240 US-Dollar pro Tonne. Würden die Märkte vollständig liberalisiert, dann könnte er nach Schätzungen der EU auf 220 US-Dollar sinken. Zum Vergleich: Derzeit erzielen die AKP-Länder einen durchschnittlichen Preis von 480 US-Dollar die Tonne, weil ihnen im Rahmen verschiedener Handelsabkommen zum Beispiel des EU-Zuckerprotokolls, das dem Cotonou-Abkommen zwischen EU und AKP-Ländern angehängt ist, oder im Rahmen spezieller Quoten für den Export in die USA - weit höhere Summen gezahlt werden als auf dem Weltmarkt.
Nur wenige Zuckerproduzenten wären laut der GTZ-Studie in der Lage, dem prognostizierten Preisverfall standzuhalten. Swasiland, der Zuckerproduzent mit den modernsten Produktionsstrukturen von allen AKP-Ländern, produziert derzeit zum Beispiel zu Kosten von 266 US-Dollar pro Tonne. Hier wären also erhebliche Produktivitätssteigerungen nötig, wenn die Industrie überleben soll. Jamaika empfehlen die Autoren der Studie gar, die Zuckerproduktion ganz aufzugeben, weil die rückständige Industrie auf der Insel nicht in der Lage sei, zum derzeitigen Weltmarktpreis auch nur annähernd kostendeckend zu arbeiten. Der jamaikanischen Regierung wird empfohlen, schon jetzt Pläne für eine alternative Landnutzung auszuarbeiten. Da es sich bei den Zuckerrohrplantagen um bewässertes Land handelt, sei unter anderem der Anbau von Kakao, Reis, Zitrusfrüchten, Bananen oder lokal konsumierbaren Grundnahrungsmitteln und Gemüse denkbar.
Anders stellt sich die Situation in Brasilien dar: Während der Zuckerrohranbau im Norden unter den Bedingungen eines liberalisierten Weltmarktes kaum eine Chance haben dürfte, könnte der Süden des Landes von einer Marktöffnung profitieren. Denn dort existieren die effizientesten Anbau- und Vermarktungsstrukturen der Welt; moderne, exportorientierte Firmen produzieren derzeit zu Kosten von etwa 160 US-Dollar pro Tonne. Schon heute exportiert Brasilien 7,7 Millionen Tonnen Zucker was einem Weltmarktanteil von etwa 25 Prozent entspricht. Allerdings erwarten die Autoren der GTZ-Studie auch bei einer erheblichen Ausdehnung der brasilianischen Produktion keine wesentlichen Beschäftigungseffekte, dafür aber zunehmende ökologische Probleme: Pro 250 Hektar zusätzlicher Anbaufläche entstünde nur ein weiterer fester Arbeitsplatz; selbst wenn man die Saisonarbeiter hinzurechne, entfalle nur ein Arbeitsplatz auf 94 Hektar. (uke)
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