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Editorial
 01/2004
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Am Ende von zwölf Jahren
Nicht ohne ein Gefühl der Wehmut schreibe ich mein letztes Editorial. Zwölf Jahre lang, die ersten sieben zusammen mit Christiane Kahrmann, danach fünf Jahre mit Tillmann Elliesen, habe ich diese Zeitschrift gemacht, weit über die normale Altersgrenze hinaus. Davor lagen neunzehn Jahre der Arbeit in deutschen Entwicklungsprojekten in Afrika und im Nahen Osten. Die praktischen Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte, waren wichtig für die anschließende Arbeit mit der Zeitschrift sie halfen mir, die Füße auf dem Boden zu behalten, die Probleme der Praxis zu verstehen. Aber wie wichtig es ist, aus diesen Erfahrungen auch Schlüsse zu ziehen, sie theoretisch aufzuarbeiten, wurde mir erst bei der Arbeit an der Zeitschrift wirklich klar. Das Leitmotiv der Arbeit war diese Verschränkung von Theorie und Praxis: das eine für das andere fruchtbar zu machen. Die Zeitschrift sollte die deutsche und internationale Entwicklungspolitik anteilnehmend und mit loyaler Kritik begleiten, die politischen und gesellschaftlichen Vorgänge in den unterschiedlichen Teilen der Welt und zwischen ihnen analysieren und verständlich darstellen, die Erfahrungen der Praxis erschließen und die Denkansätze der Forschung für die Praxis nutzbar machen. Das ist manchmal besser gelungen, manchmal weniger gut. Die Leser mögen entscheiden, welchen Nutzen sie aus unserem Blatt gezogen haben.
Das Bestreben, trotz der Finanzierung durch eine staatliche Organisation (zuerst DSE, seit Anfang 2003 InWEnt) eine unabhängige und kritische Zeitschrift zu machen, mag manchem paradox erschienen sein, gehört aber zum Konzept des Blattes, ist verankert in den Verträgen der Redakteure. Dieses Konzept durchzuhalten, war nicht immer einfach es gab Unwillen im Ministerium und in anderen Organisationen, ich wurde zum Staatssekretär zitiert, mich erreichten gereizte Leserbriefe; auch der Verlag war nicht immer sicher, dass die redaktionelle Linie seinen Interessen nützte. Es kostete Überzeugungsmühe, das Konzept auch über den organisatorischen Wechsel hinweg zu retten. Dass dies dennoch über die Jahre hinweg gelungen ist, dafür danke ich den wechselnden Kuratoren von DSE und InWEnt und der Leitung des BMZ. Sie haben verstanden, dass eine offene Diskussion der Probleme der Entwicklungspolitik von entscheidender Bedeutung für ihre Verbesserung ist (Aus Fehlern lernen hieß eine Publikation des BMZ) und dass eine kritische Zeitschrift mehr Ansehen einträgt als ein Blatt der Hofberichterstattung.
Ein entscheidender Wechsel fand Anfang 2003 statt. Die Schwesterzeitschriften in Englisch, Französisch und Spanisch wurden eingestellt, zum großen Bedauern vieler Leser in der Dritten Welt, die damit eine einzigartige Informationsquelle und einen Kontakt mit Deutschland verloren. In englischer Sprache erscheint nun statt der bisher redaktionell selbstständigen Zeitschrift Development and Cooperation unter dem selben Titel eine Übersetzung des deutschen Heftes. Das wichtige damit verfolgte Ziel: die deutsche entwicklungspolitische Diskussion im englischsprachigen Raum, vor allem auch in den internationalen Organisationen, vernehmbar zu machen, deutschen Autoren eine bessere Chance zur Teilnahme an der internationalen Diskussion zu geben. Zugleich sollen Autoren aus anderen Ländern, in Nord wie Süd, häufiger in E+Z / D+C gedruckt werden. Die Hefte des letzten Jahres haben dies in allmählicher Veränderung gezeigt. Verbunden mit der inhaltlichen Weiterentwicklung war ein Wechsel zu einem moderneren Layout.
Ein besonderes Kennzeichen der Zeitschrift waren die drei großen Serien, die wir gedruckt haben. Die erste, über die Politiken der Geberländer, erschien 1996 als Buch, die zweite, Neue Ansätze zur Entwicklungstheorie, 1999, mit einer spanischen Übersetzung 2001. Zu der dritten, Entwicklungstheorie: Wer ist Wer, sind in der Zeitschrift bisher 44 Beiträge erschienen, von Karl Marx bis Walt W. Rostow, von Ester Boserup bis Amartya Sen. Diese Serie wird nun nicht mehr fortgesetzt werden.
Für die fruchtbare Zusammenarbeit in den letzten zwölf Jahren danke ich meinen redaktionellen Kollegen Christiane Kahrmann und Tillmann Elliesen, die, vor allem in den letzten Jahren, mit immer neuen Ideen das redaktionelle Gesicht der Zeitschrift weiterentwickelt haben. Ich danke auch Dagmar Wolf, die während des größten Teils dieser Zeit mit großer Umsicht das Sekretariat der Zeitschrift betreut hat und ohne die die Redaktion die Zeitschrift nicht hätte machen können, den Grafikern Bruno Boll und Sung-Hyuen Kim, die im letzten Jahr für das äußere Erscheinungsbild der Zeitschrift zuständig waren, und schließlich allen Mitarbeitern von Verlag und Druckerei, die das Erscheinen der Zeitschrift ermöglicht haben. Vom nächsten Heft an wird die Leitung der Redaktion Hans Dembowski übernehmen, der über Stadtplanung in Kalkutta promoviert hat und redaktionelle Erfahrungen aus der Deutschen Welle und der Frankfurter Rundschau mitbringt ich bin sicher, eine verjüngte Redaktion (Norbert Glaser kommt neu dazu) wird mit neuen Ideen und neuer Energie die Zeitschriften E+Z / D+C zu neuem Aufschwung bringen. Ich selbst werde nun endlich mehr Zeit haben, als mir die harte tägliche Arbeit in der Redaktion bisher ließ zu Gesprächen und Beobachtungen, zum Nachdenken, zum Schreiben.
Schließlich muss noch zum Schwerpunkt in diesem Heft ein Wort gesagt werden. Dass Entwicklungspolitik (wie alle Politik) der Beratung und des Austausches mit der Forschung bedarf, sollte sich von selbst verstehen, wird aber in Deutschland weniger verstanden als in anderen Ländern. Dies ist über Jahre hinweg eines der Grundthemen dieser Zeitschrift gewesen, es soll hier noch einmal im Mittelpunkt stehen. Drei Vertreter der Wissenschaft diskutieren das Thema mit einem Vertreter der Politik, und das Gespräch zeigt den Grad der Einsichten und zugleich die Schwierigkeiten ihrer Umsetzung. Ergänzt wird das Gesprächsprotokoll durch einen Beitrag über die Abbrucharbeiten an den Regionalwissenschaften, die zur Zeit an den deutschen Hochschulen stattfinden, und einen anderen, der beispielhaft zeigt, wie der Austausch in den angelsächsischen Ländern funktioniert. Lessons to be learnt. Damit verabschiede ich mich von Ihnen. Herzlich Ihr
Reinold E. Thiel
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